Das Trüffelsuchtraining


Konditionierung von Hunden / Lagotti zur Trüffelsuche
Ausbildung zum Trüffelsuchhund

Cesare hat unterirdische Trüffelsuchkugel erschnüffelt
Foto: Günter Zeidler

Hunde haben einen außerordentlichen guten Geruchssinn, das müssen wir uns immer wieder bewusst machen, vor allem dann, wenn wir sie, wie hier beschrieben, auf einen bestimmten Geruch wie beispielsweise Duft herangereifter Trüffelpilze konditionieren möchten.

Wie außergewöhnlich diese Riechleistung unserer Hunde ist, zeigt beispielsweise ein Test, bei dem ein ausgebildeter Leichenspürhund, ein in einem See versenkten Köder, von einem Boot aus sicher durch eine sechs Meter hohe Wassersäule aufgespürt hat.


Die Riechsinneszellen liegen im sog. Riechepithel in der Nasenhöhle. Bei Hunden gibt es ca. 200 Millionen davon im Vergleich dazu haben wir Menschen lediglich 5 Millionen davon. Beim Schnüffeln erzeugen Muskeln im Nasenlochkanal einen pulsierenden Luftstrom mit ca. 300 Stößen je Minute, die Duftmoleküle in das Riechorgan befördern. Riechluft wird dabei entweder tiefer in die Nasenhöhle eingezogen um sich im Nasenschleim anzureichern oder wird über die seitlichen Schlitze der Nasenlöcher nach außen abgegeben. Es kommt dabei zu keiner Vermischung von eingesogener und ausgestoßener Luft.

Sollte also ein Hund / ein Lagotto keine Trüffel anzeigen / entdecken, liegt es sicherlich nicht an einer zu geringen Riechleistung des Hundes, vielmehr ist der Fehler bei der Durchführung des Trüffelsuchtrainings also beim Herrchen zu suchen.

Im Gegensatz zu den Wölfen verlassen sich Hunde beim Suchen auch auf optische Reize, was daran liegt, dass bei Wölfen das Riechorgan eher entwickelt ist und die Wolfswelpen im Gegensatz zu den Hundewelpen ihre Umwelt während der Welpenblindheit vorwiegend mit ihrem Geruchssinn erkunden. Damit die Hunde bei der Trüffelsuche erfolgreich werden, müssen wir deshalb darauf achten, dass sie sich vorwiegend auf ihren Geruchssinn verlassen, die Trüffelfruchtkörper wachsen ja schließlich unterirdisch und können nicht wie andere Pilzarten gesehen werden.

Foto: Günter Zeidler

Für den Anfang ist es schon mal gut dem Lagotto Romagnolo kleine Trüffel oder mit Trüffelöl beträufelte Spielzeuge ins Gras zu werfen.

Anfangs kann man das ruhig auch so machen, dass der Hund uns dabei beobachten kann. Am besten mit einem Suchkommando und einer Geste schickt man den Hund dann los. Der Hund hat gesehen, dass wir was weggeworfen haben und beginnt in diese Richtung zu laufen. Weil er sich zum einen, nicht wie wir Menschen den Ort, wo das Spielzeug gelandet ist, merken kann und zum anderen er das Spielzeug im Gras nicht sehen kann, ist er gezwungen es mit seinem Geruchssinn zu erschnüffeln. Das Ganze darf nicht zu oft wiederholt werden, damit es nicht langweilig wird.

Mal Pause beim Trüffelsuchtraining und einfach mal Kuscheltier apportieren als Abwechslung
Foto: Günter Zeidler

Alles muss spielerisch ablaufen und der Hund sollte mit größtmöglicher Freude bei der Sache sein.

Wenn das Herrchen ungeduldig ist, weil das Trainieren auf Trüffelsuche zu lange dauert und das Trüffelsuchtraining dem Hund zu langatmig wird, kann es sein, dass der Hund nach Mäusen schnüffelt, die überall im Boden rumschwirren, was für den Hund dann viel interessanter ist. Jetzt ist es Zeit das Trüffelsuchtraining auszusetzen, denn der Hund zeigt uns, dass er was Interessanteres gefunden hat.

Wie bei anderen Lernübungen auch, sollte man es möglichst vermeiden dem Hund ein Trüffelsuchkommando zu geben, wenn nicht gewährleistet ist, dass er auch was findet. Wenn ein Hund beispielsweise nach zweimaliger Aufforderung (Sitzkommando) nicht reagiert, macht es auch keinen Sinn noch zehnmal Sitz zu sagen, im Gegenteil, der Hund lernt dadurch höchstens, dass es egal ist, ob er darauf reagiert.

Makroaufnahme Naturtrüffel
Foto: Günter Zeidler

Deshalb ist es gerade beim Trüffelsuchtraining wichtig, dass Hund und Herrchen ein Erfolgserlebnis haben, was die Motivation des Teams erhöht / aufrecht erhält.

Wichtig ist natürlich, die Suchspiele immer wieder an anderen Orten durchzuführen, weil Hunde ja sehr ortsbezogen lernen. Wenn ein Welpe zu Hause perfekt das Kommando Sitz kann, kann es sein dass es beispielsweise in der Hundeschule an anderen Orten gar nicht klappt.

Unserem Einfallsreichtum sind da keine Grenzen gesetzt z.B. können wir auch ein erdfarbenes betrüffeltes Spielzeug auf den Laubwaldboden werfen.

Foto: Günter Zeidler

Als betrüffelte Suchkugeln eignen sich beispielsweise gut ausgediente Golfbälle. Wenn man die Golfkugeln mit einem 8er Spiralbohrer 3 mal mittig durchbohrt, entstehen Öffnungen, die man mittels Bleistift und geruchsneutraler Kosmetikwatte ausstopfen kann. Die Watte wird mit Trüffelöl beträufelt und schon sind die Suchkugeln für das Trüffelsuchtraining einsatzbereit. Klar sind die Kugeln sehr hart und genau wie bei Steinen sollte der Hund nicht darauf lange rumkauen, um nicht seine Zähne zu verletzen.

Ausgedienter Golfbälle werden durch Watte und Trüffelöl zu Trüffelsuchkugel
Foto: Günter Zeidler

Das ist auch gar nicht erforderlich, denn sobald wir merken dass der Hund die Trüffelsuchkugel erschnüffelt hat, sind wir bei ihm und nehmen ihm gegen Belohnung die Suchkugel ab, d.h. die Trüffelsuchkugel (Golfball) ist nur für wenige Augenblicke im Maul des Hundes. Der Hund lernt schnell, das er was Leckeres bekommt, wenn er sie bereitwillig abgibt. Wer Naturtrüffel hat, kann natürlich auch Teile von kleinen oder non Maden bereits befallenen überreifen Trüffel in die Bohrungen stopfen, was geruchlich optimaler für unser Trüffeltraining ist.

In den Wintermonaten bietet es sich an, betrüffelte Suchkugeln schräg unter die geschlossene Schneedecke zu werfen. Wenn man einige Kugeln im Radius von einigen Metern von sich entfernt positioniert hat, wartet man einen Moment, damit sich der Trüffelduft am Lagerort etwas ausbreiten / entfalten kann und schickt dann seinen Hund mit dem Trüffelsuchkommando los. Da es keine Spuren von uns im Schnee gibt und der Hund sich die Positionen im Schnee sowieso nicht merken kann, muss er den Bereich systematisch absuchen / erschnüffeln, das braucht Zeit und der suchende Hund sollte hierbei auf keinen Fall gestört werden. Jedes Mal wenn der Hund eine Kugel gefunden hat, gehen wir zu ihm, loben ihn und tauschen Kugel gegen Leckerli (immer Handschuhe tragen) ein, bis alle Kugeln wieder in der Tasche beim Herrchen sind.

War der Hund auch später bei seiner Trüffelsuche erfolgreich, braucht es eine unmittelbare Belohnung, das „Leckerli“ oder auch die überschwängliche Freude des Herrchens über die erfolgreiche Sucharbeit unterstützen den Lernprozess.

Bei allem müssen wir uns immer wieder bewusst werden über den außerordentlich guten Geruchssinn unseres Spielkameraden Hund. Seine beiden Nasenöffnungen saugen Luft in jeweils zwei Gänge (einer zu Lunge, der andere zum Riechorgan), so können sie gleichzeitig atmen und Gerüche identifizieren. Weil beide Nasenlöcher das voneinander unabhängig leisten, können sie auch erriechen, aus welcher Richtung ein Duft gekommen ist oder in welcher Richtung der Duft intensiver wird, was beispielsweise auch wichtig für die Personensuche ist.

Kognitionswissenschaftler glauben herausgefunden zu haben, dass Hunde keine innere Uhr haben, sondern lernen die Duftintensität mit dem nach Hause kommen des Herrchens in Verbindung setzen. Deshalb ist es bei fortgeschriebenen Trüffelsuchtraining zunehmend wichtig, dass am betrüffeltem Spielzeug möglichst kein Duft von uns Menschen anhaftet, also möglichst nicht anhauchen und nur mit Handschuhen anfassen.

Wenn der Hund sicher betrüffelte Spielzeuge Gras, Laub und Schnee erschnüffeln kann, ist es an der Zeit Trüffel oder betrüffelte Spielzeuge unter die Erde zu verbringen, denn nur hier wachsen ja auch die Naturtrüffel.

Hierbei muss man aufpassen, dass man die Erde nicht aufbricht. Es kann dann nämlich passieren, dass der Hund auf aufgebrochene Erde konditioniert wird, was er auch nach mehreren Tagen noch erschnüffeln kann und später über echte Trüffel hinweg läuft, weil da kein Geruch von aufgebrochener Erde ist.

Cesare zeigt Naturtrüffel am Rande von Massimos Trüffelplantage an
Foto: Günter Zeidler

Ist ein Hund erst einmal in die falsche Richtung konditioniert worden, ist es schwer, die Sucheignung hin zum Naturtrüffel hin zu korrigieren. Eine gute Methode ist, die Erde lediglich mit einem Trüffelspaten einzustechen, den Spaten zu kippen damit eine Erdspalte entsteht, indem man den Trüffel bzw. die betrüffelte Kugel hinein legen kann (immer Handschuhe tragen!). Jetzt mit dem Schuhabsatz die Erdspalte zutreten und auch in der Nähe mit dem Spaten einige Male einstechen und zutreten aber nichts hineinlegen, damit der Hund nur erfolgreich sein kann, wenn er dem Trüffelduft folgt. Grundsätzlich gilt, nach dem Suchkommando geben wir dem Hund genügend Zeit zum Suchen, wir sind ruhig und korrigieren ihn nicht, auch dann nicht, wenn er unserer Meinung nach in die falsche Richtung läuft.

Rocco mit seinen Trüffelhunden
Foto: Günter Zeidler

Der Lagotto Romagnolo ist ein revierrender Arbeitshund, d.h. bleibt von Natur aus meist in einem gewissen Radius um sein Herrchen herum.

Bei Trüffelsucheignungsprüfungen ist beispielsweise in den Bewertungsrichtlininen der ENCI (Ente Nazionale della Cinofilia Italiana) festgeschrieben, dass der Lagotto nicht nur die Trüffel zielstrebig erschnüffelt, sondern auch eifrig ausbuddelt, wobei das Herrchen bei hartem Boden ggfs. mit dem Trüffelspaten mithelfen kann. Wichtig ist auch wie insgesamt das Team Mensch und Hund zusammen arbeiten. Wird der Lagotto im richtigen Augenblick gelobt, wird das Grabloch nach Entnahme des Trüffel / der Trüffel wieder verschlossen, damit das Pilzgeflecht (Myzel) wieder mit Erde bedeckt ist usw. …!

Beobachtet vom ENCI-Richter wird auch, ob der Hund an einer Trüffelentnahmestelle erneut zu suchen beginnt. Ein gut ausgebildeter / erfahrener Trüffelsuchhund lässt sich nicht von einer Erdstelle, die nach Trüffel riecht verleiten dort zu suchen, wenn kein Trüffelpilzkörper mehr drin ist.

Damit der Lagotto eine sinnvolle Arbeit verrichten kann, sollte er tiefe Freude bei der Erfüllung seiner Trüffelsuchaufgabe ausstrahlen.

Dies lässt sich an Gang und Haltung gut erkennen. Im lockeren Trapp teilweise auch im Galopp zu Beginn der Trüffelsuche arbeitet er kontinuierlich und gierig, dabei macht seine Rute große schnelle Seitwärtsbewegungen was Ausdruck seiner Leistungsbereitschaft signalisiert. Lokalisiert der Lagotto über dem durch Myzel durchzogenen Bodenbereich einen herangereiften Trüffelpilz, dann beginnt er unverzögert zu scharren. Jetzt ist Teamarbeit gefragt, das Herrchen hilft ggfs., mit beim Graben und der Hund zeigt auf Kommando exakt die Lage des Trüffelpilzes im Grabungsloch an. Bei der Suche eines weißen Trüffels im cremefarbenen Kalksteinboden ist das auch sehr vorteilhaft. Sind mehrere Trüffel im Grabungsloch vorhanden, so hört der Lagotto erst dann auf zu scharren, wenn alle Trüffel entnommen sind, damit das Herrchen weiß, wann er das Grabungsloch wieder mit Erde verschließen kann, während dessen der Lagotto schon weitere Bodenfläche nach Trüffel absucht. Dabei läuft er in diagonalen Linien mit häufigen Richtungswechsel durch das Areal. Der Lagotto Romagnolo hat einen rassetypisch verminderten Jagdtrieb, sollte er dennoch bei seiner Trüffelsucharbeit durch zufälligen Wildkontakt gestört werden, so nimmt er aber nach Aufforderung durch sein Herrchen, trotz der äußeren Reize durch Wild, seine Trüffelsuche wieder zielstrebig auf. Alle hier beschriebenen Verhaltensweisen werden bei Trüffelsuch – Eignungsprüfungen beobachtet und mittels Punktesystem gemäß den Richtlinien der ENCI im festgelegten Zeitfenster (normalerweise 10 oder 15 Minuten) erfasst und protokolliert.