Auf Der Suche


Es hat schon eine elektrisierende Wirkung, wenn man einem erfahrenen Trüffelsucher begleiten darf und zum ersten Mal erlebt, wie es ist, wenn ein Trüffelhund einen Trüffelpilz freilegt. Auf einmal ist er da, der stark aromatische Geruch im Erdreich. Eventuell zeigt auch ein Trüffelkäfer (Leinodes cinnamomea) an, dass hier der Trüffelfruchtkörper nicht weit ist. Irgendwann entdeckt man ihn dann in der vom Hund frei gewühlten Erdmulde, begutachtet ihn und führt ihn instinktiv zur Nase, um sein unvergleichliches Trüffelaroma zu genießen.

Auf Trüffelsuche Rocco Auriti mit Custer in Brisighella Auf Trüffelsuche Rocco Auriti mit Custer in Brisighella
Auf Trüffelsuche Rocco Auriti mit Custer in Brisighella
Foto: Günter Zeidler

Der Trüffelhund darf auch noch mal eine Nase voll vom Trüffelfund nehmen, ehe die Ernte in die Tasche wandert. Der Hund wird gelobt und bekommt eine Belohnung, damit er fürs weitersuchen motiviert bleibt. Manche Trüffelsucher verwenden dafür trockene Brotstücke getränkt in Trüffelöl.

Wichtig für erfolgreiches Trüffeln ist ein gutes Team, z.B. zwischen Mensch und Hund. Der Trüffelsucher (ital. Tartufaio) kennt und erkennt für Trüffel geeignete Stellen, er erkennt geeignete Böden und sucht die Gegend nach geeigneten Bäumen ab. Dabei kann er die Baumarten an Blattform, Wuchsform und Rinde erkennen und weiß welche davon geeignete Trüffelwirtsbäume sind. Mit der Zeit bekommt der Trüffelsucher durch Erfahrung ein Gespür dafür, wo es sich lohnt nach Trüffeln zu suchen.






Jetzt kommt es auf den Hund an, er muss ein gewisses Trüffelsuchtalent haben und sollte wissen was jetzt zu tun ist. Ein gut ausgebildeter Trüffelsuchhund reviert um sein Herrchen. Revieren bedeutet, dass der Hund in einem Aktionsradius um sein Herrchen herum stöbert und nicht etwa eine Wildspur aufnimmt und diese verfolgt. Das Revieren ist eine Eigenart, die der Hunderasse Lagotto Romagnolo quasi mit in die Wiege gelegt ist.

Trüffelsuchhunde Lagotto Romagnolo Cesare & Lorenzo
Trüffelsuchhunde Lagotto Romagnolo Cesare & Lorenzo
Foto: Günter Zeidler

In mitunter größeren Kreisen versucht der Hund ggfs. gegen den Wind suchend eine Duftspur in die Nase zu bekommen und ihr zu folgen. Der Trüffelsucher beobachtet seinen Hund genau und folgt ihm mit Abstand.

Wenn irgendwann der Hund an einer Stelle Kopfsenkend inne hält und an dieser Stelle scharrt, sollte das Herrchen zügig bei ihm sein. Viele Hunde nutzen sonst die Gelegenheit und verspeisen selbst den attraktiv duftenden Trüffelpilz. Zur Trüffelsuche eignen sich besonders die Morgen- oder Abendstunden, wo die Feuchtigkeit im Boden dazu beiträgt, dass die Trüffelaromen besser an die Oberfläche gelangen.

Die Dämmerung dient auch in gewisser Weise der Geheimhaltung der wertvollen Trüffelgebiete, die oft lediglich mündlich an die künftige Trüffelsammlergeneration weiter gegeben wird.


Suche mit Trüffelschwein

Das Schwein ist Allesfressen aber auch Feinschmecker zugleich. Die Trüffelsuche wie einst mit Trüffelschwein ist inszwischen europaweit nicht mehr gewollt, weil die Schweine bei ihrer Arbeit nicht gerade zimperlich sind und dadurch oft großer Schaden im wertvollen Pilzgeflecht zurückbleibt. Wenn Wildschweine durch die Wälder ziehen und den Duft der edlen Knolle in die Nase bekommen, geht es den Trüffeln im wahrsten Sinne des Wortes an den Kragen.

Vor allem die geschlechtsreifen weiblichen Tiere in der Rotte können dem Duft des Trüffels nicht wiederstehen, weil er dem Hormon Androstenon des Keilers (männliches Wildschwein) sehr ähnlich ist. Die Natur hat es so eingerichtet, dass die Wildschweine die Trüffel verzehren und die unverdaulichen Trüffelsporen wieder ausscheiden, wodurch die Wildschweine einen wesentlichen Beitrag zur Vermehrung der Trüffel leisten.

Da Wildschweine keine festen Reviere haben, sondern bei Ihrer Suche nach Nahrung ständig wandern, sind sie bestens dazu geeignet die Pilzsporen zu verbreiten.

Wildschweinrotte
Wildschweinrotte
Foto: Frank Angrabeit

Bei Vollmond ist die Wildschweinrotte besonders unternehmenslustig und legt oft viele Kilometer auch über Reviergrenzen hinweg zurück. Dieses Verhalten sorgt bei so manchem Jäger für Spannung, denn nie weiß er genau wo er die Wildschweinrotte antreffen kann bzw. wo sie als nächstes hinziehen.

Wildschweine sind es gewohnt auf der Suche nach Käfern, Larven, Raupen und Engerlingen mit ihren Eckzähnen den ganzen Boden aufzureißen. Die Eckzähne von Ober- und Unterkiefer stoßen beim Kauen aneinander und werden dadurch geschärft.

Alter Keiler im Wildacker
Alter Keiler im Wildacker
Foto: Privatbesitz

Der Jäger nennt die mitunter an ihrer Spitze rasierklingenscharfe Eckzähne auch “Waffen”, die Waffen des Keilers sind auch als Jagdtrophäe begehrt.

Mit solchen Eckzähnen und einer großen Nackenmuskulatur ausgestattet, können Wildschweine in Feld und Flur schon beträchtlichen Schaden anrichten. Der Wildschaden auf landwirtschaftlichen Flächen führt dazu, dass der Jagdpächter Ausgleichszahlungen an den entsprechenden Landwirt bzw. den Grundeigentümer zahlen muss.

Selten und eher einer Laune der Natur ist es zu zuschreiben, dass man hin und wieder schwarz-weiß oder schwarz-weiß-braun gefleckte Wildschweine beobachtet.

weißgeflektes Wildschwein
weißgeflektes Wildschwein
Foto: Privatbesitz

Als Ursache für die in freier Wildbahn selten vor kommenden weißen Fleckung ist ein genetischer Defekt. Das für die dunkle / schwarze Einfärbung erforderliche Hauptpigment, das sog. Melanin kann offenbar nur in geringer bis gar nicht gebildet werden, was dann zu weiß gefleckten Wildschweinen führt. Für wildlebende Tiere ist die unnatürliche Weißfleckung ungünstig und kann sogar Lebensgefahr bedeuten. Wildtiere mit Weißfleckung fallen nicht nur uns Menschen ins Auge, auch den anderen Wildtieren wie Raubtiere fallen die Weißlinge eher auf.
Manchmal führt es dazu, dass Weißlinge von Artgenossen verstoßen werden, mit all den unangenehmen Folgen wie fehlendes Sozialgefüge, weniger Beute- / Futtererfolg usw.!
Ist ein Raubtier ein Weißling, so kann es sich weniger gut an Beutetiere heranpirschen.
Das Foto zeigt eine Bache mit Frischlingen, die am Tage einen Waldweg kreuzen. Hinten läuft ein schwarz-weiß gefleckter Frischling, der auf den ersten Blick kräftiger aussieht. Bei genauem hinschauen sieht man, dass da zwei Frischlinge leicht versetzt nebeneinander laufen.

Aufbruch der Wildschweine
Aufbruch der Wildschweine
Foto: Günter Zeidler

Aufbruch der Wildschweine entlang eines Waldweges inmitten eines Trüffelgebietes. Das Bild zeigt einen Waldweg Mitte Oktober, der von Wildschweinen frisch aufgebrochen wurde. Da die Lagotto–Hunde in der Nähe dieser Stelle und auch entlang dieses Waldweges offensichtlich den Geruch von Trüffelmyzel in Ihrer Nase hatten und bekannt ist, dass Trüffel gerne an Stellen mit Lichteinfall zu finden sind, ist zu vermuten, dass hier dieser Umbruch der Wildschweine entlang der Fahrspur, den im kalkigem Waldboden heranreifenden Wintertrüffel galt.

Wenn also die Wildschweine auf ihren meist nächtlichen Streifzügen auf Trüffel stoßen, ernten Sie diese nach gleicher Methode. Durch das Aufreißen des Bodens werden auch viele Wurzeln herausgerissen und freigelegt und damit auch das Trüffelpilzgeflecht das Myzel beschädigt. Es wird jetzt wohl eine Weile dauern, bis die Pilze an dieser Stelle wieder die Mykorriza (Symbiose aus Pilzgeflecht und Baumwurzel) ausgebildet haben. Jedenfalls ist hier wie sonst bei Trüffeljägern üblich, eine erneute Ernte nach zwei Wochen an gleicher Stelle, nicht möglich.


Frühere Suche mit Trüffelschwein

Ganz anders ist das bei durch den Menschen eingesetzten Trüffelschweinen. Ging die Bäuerin mit dem Trüffelschwein in die Landschaft, so hatte sie einen Feinschmecker an der Leine. Im Vergleich zum Trüffelhund, der auch überreife alte Trüffel ausbuddelt, bleibt das Trüffelschwein nur bei den Trüffeln stehen, deren Alter den optimalen Erntezeitpunkt entsprechen.

Aus diesem Grund wurden bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein z.B. in Südfrankreich Trüffelschweine (geschlechtsreife Säue) eingesetzt. Schlug das Trüffelschwein an, kneifte man ihm ins Ohr und belohnte es sofort, dabei schob man ihm schnell beispielsweise ein paar Apfelstückchen oder einen Maiskolben unter den Rüssel. Mit dem Trüffelschwein an der Leine und die Tasche voller Apfelstücke / vollen Maiskolben blieb der Flurschaden begrenzt und die Trüffel wurden ähnlich wie beim Trüffelhund schonend geerntet.


Natürliche Verbreitung der Trüffelsporen

Neben den Wildschweinen leisten auch andere Tierarten wie Mäuse, Marder und Eichhörnchen in Wald und Flur ihren Beitrag zur natürlichen Verbreitung der Trüffelsporen, damit an anderen geeigneten Orten (richtiges Kleinklima, idealer kalkhaltiger Boden und geeignete Wirtsbäume z.B. Eichen) neue Pilzgeflechte (Myzel) entstehen können.

Aber auch Tierarten wie Füchse und Eulen, bei denen hauptsächlich Mäuse auf der Speisekarte stehen, helfen dadurch indirekt mit, die Trüffelsporen zu verbreiten.

Schleiereule Ablug vom Felsen
Schleiereule Ablug vom Felsen
Foto: Privatbesitz

Eine Eulenart deren Hauptnahrungsmittel Mäuse sind, ist die Schleiereule (Tyto alba). Markantes Zeichen dieser Eulenart sind die dunklen / schwarzen Augen und der auffällige Gesichtschleier in herzform wonach sie schließlich auch benannt wurde. Die Schleiereule gilt als Kulturfolger und lebt somit in enger Nachbarschaft zu den Menschen. Da ihre Hauptnahrung Feldmäuse sind, fühlt sie sich in offenen Kulturlandschaften beispielsweise in Dauergrünlandflächen wie sie in Streuobstwiesen zu finden sind wohl. Für die Aufzucht der Jungen sucht sie dunkle und ruhige Nischen in Gebäuden wie Feldscheunen, Dachböden, Kirchen und dergleichen. Wie alle Eulen kann auch die Schleiereule das Restlicht gut ausnutzen und sieht scharf wo es für uns bereits dunkel ist. Da die Schleiereule ausschließlich bei Dunkelheit in der Nacht jagt und sie wie fast alle Eulen nahezu lautlos fliegen kann, ist es eher wahrscheinlich Schleiereulen zu hören, als sie zu sehen. Die Rufe / Laute der Schleiereule ähneln unserem Schnarchen. Geht man in der Dämmerung an landwirtschaftlichen Scheunen, Stallungen oder am Kirchturm vorbei kann man sie gut schnarchen hören im Volksmund wird sie deshalb auch Kircheule oder Schnarcheule genannt.

Schleiereulen
Schleiereulen
Foto: Martin Kukral

Sie steht auf der roten Liste für vom Aussterben bedrohte Vogelarten und gilt deshalb als besonders schützenswert. Die Schleiereule brütet im Idealfall (gutes Mäusejahr) zweimal im Jahr. Sobald die jungen Schleiereulen flügge sind, verlassen sie ihre Geburtsstätte und ziehen in alle Himmelsrichtungen.
Durch jahrzehntelange Beringungen mit zentraler Erfassung und Auswertung durch die Vogelschutzwarte Helgoland konnte festgestellt werden, dass junge Schleiereulen bei ihrer Suche nach neuen geeigneten Revieren dabei eine Entfernung von bis zu 65 km zurücklegen.

Das ist ein Beispiel dafür, dass sich Trüffelsporen auch über größere Distanzen rasch ausbreiten können, wenn im neuen Eulenrevier Klima, Bodenbeschaffenheit und Baumwuchs für Trüffelmyzel günstig sind.

Bauskizze Nisthilfe für Schleiereulen

Schleiereule im Abflug
Schleiereule im Abflug
Foto: Privatbesitz

Suche mit Trüffelfliege
(Suilla Gigantea früher Helomyza Tuberivora)

Neben Hund und Schwein macht sich der Mensch mitunter auch den guten Geruchssinn von Insekten, wie hier die rötliche Trüffelfliege, zu nutzen.

Ihr Flug ist schwerfällig und unbeholfen, wenn sie voller Eier ihrem Geruchssinn folgend ihre Eier auf die Erdoberfläche legt, unter der ein Trüffelpilzkörper heranwächst.

Hat man Gelegenheit diese Fliege bei ihrem Anflug und der Eiablage zu beobachten, so hat man auch die Trüffelfundstelle entdeckt. Aus den Eiern schlüpfen die Maden, die auf kürzestem Wege Kurs auf die Trüffel nehmen. Dort angekommen erobern die Maden den Trüffelfruchtkörper und ernähren sich von ihm.



Steinpilzsuche mit Trüffelhund

Der Steinpilz lebt, ähnlich wie der Trüffelpilz, mit Baumwurzeln in einer Symbiose und benötigt bestimmte klimatische Verhältnisse. Bis heute ist es noch nicht gelungen den Steinpilz zu kultivieren, was möglicherweise auch damit zu tun hat, dass hier noch nicht alles wissenschaftlich erforscht ist. Der Steinpilz (Boletus) gehört zur Gattung der Dickröhrlinge. Stein deshalb, weil sein Fruchtkörper härter ist als das anderer Pilze ist.

Wenn, aus welchem Grund auch immer, eine Trüffelsuche nicht möglich ist, dann kann man seinen Hund, hier die Lagotto-Hündin Daria, auch mit der Suche nach anderen Pilzen wie z.B. den Steinpilz artgerecht und sinnvoll beschäftigen. Dabei erfolgt die Konditionierung ähnlich wie beim Trüffelsuchtraining. Auf den typischen Pilzgeruch mittels Belohnung wird beim Hund eine Verknüpfung hergestellt und schon kann es losgehen.

Lagotto-Hündin Daria mit reichlicher Pilzernte Steinpilze und Maronen
Lagotto-Hündin Daria mit reichlicher Pilzernte Steinpilze und Maronen
Foto: Paola Unger; Bonn

Die Lagotto-Hündin Daria sucht auf Kommando gezielt den Waldboden nach Steinpilzdüften ab, wird sie fündig, setzt sie sich stolz vor den Pilzfund und wartet bis Frauchen mit dem Erntekorb kommt und es eine Belohnung gibt (oft ist es völlig ausreichend, wenn sich der Mensch freut; für den Hund kommt das einem Leckerli gleich, vorausgesetzt zwischen beiden besteht eine enge Bindung).

Wie auf dem Bild zu sehen ist, kann das Team Hund und Mensch eine reichliche Pilzernte erzielen.


Der Mensch ist jetzt glücklich und freut sich auf eigene lecker Steinpilzgerichte und der Hund hatte ein gutes Training durch artgerechte Nasenarbeit.