Trüffelplantage


Anlegen einer Trüffelplantage

Erster Spatenstich für Trüffelanpflanzung inmitten meiner Obstwiese
Foto: Günter Zeidler

Ob man in einer Gegend mit guten kalkreichen Bodenverhältnissen und für Trüffel   passendem Kleinklima wohnt oder nicht, das Anlegen einer Plantage mit geeigneten Bäumchen deren Wurzeln mit Trüffelpilzmyzel überzogen sind lohnt sich allemal.  Auch wenn sich der erhoffte Erfolg nach einigen Jahren nicht wie gewünscht einstellt, so hat man sich doch mit der faszinierenden Welt der Pilze beschäftigt und viel Interessantes dazugelernt.

Großer Burgundertrüffel, die sollen hier später geerntet werden
Foto: Privatbesitz

Heute kann man im Handel mykorrhizierte Bäumchen wie beispielsweise die Gemeine Haselnuss (Botanischer Name: Corylus avellana) oder die Hainbuche (Botanischer Name: Carpinus Betullus) mit z.B. Burgundertrüffelsorte (Tuber Uncinatum) erwerben. Aber auch Baumsorten wie Schwarzkiefer, Eiche, Pappel oder Linde wären als Wirtsbaum für Beimpfung mit Trüffelmyzel geeignet. Bei der Auswahl der Baumart sollte man sich nicht alleine auf eine Art beschränken und auch sich daran orientieren welche Baumarten für die Region typisch sind, in der man eine Trüffelplantage anlegen möchte.

Vorbereitungen am Pflanzloch Kalk und Holzasche werden in die Erde eingebracht
Foto: Günter Zeidler

Wer bereits eine Obstwiese betreibt / besitzt, kann diese gut nutzen und in die Baumreihen zwischen den alten Obstbäumen seine Trüffelbäumchen pflanzen. Natürlich ist die Eiche und auch die Buche ausgewachsen ein mächtiger Baum, der die Obstbäume überschattet, aber um Trüffel zu ernten braucht es keine großen Stämme und Haselnuss und gerade auch die Hainbuche können auch in Buschform gehalten werden. Ich habe in Italien mal einen Trüffelsucher (Tartufaio) begleitet, wir waren mit einigen Lagotto Spürnasen in einem Jungwuchsbestand inmitten lauter armstarker Laubbäume und hatten reichlich Trüffel geerntet / gefunden.



Doch auch in alten Baumbeständen kann man Trüffel finden. Jeder weiß, dass beispielsweise mächtige Eichenbäume ein stattliches Alter erreichen können, wenn man sie lässt, bis etwa 1000 Jahre. Da das Trüffelmyzel bei guten Boden- und Klimaverhältnissen mit dem Baum eine lebenslängliche Symbiose eingeht, überrascht es nicht, dass Pilzforscher Pilzmyzelgeflechte gefunden haben, deren Alter auf 1000 und mehr Jahre bestimmt werden konnte.

Bei den Obstbäumen ist klar, dass die Kirschen, Zwetschgen, Äpfel und Birnen die Frucht sind, die an den Obstbäumen heranwachsen. Bei den Trüffeln ist was allgemein als Pilz bezeichnet wird lediglich die Frucht / der Fruchtkörper, der Pilz ist das Myzel im Verborgenen.

Das Myzel, ein Pilzgeflecht besteht aus fadenförmigen Zellreihen, die als Hyphen bezeichnet werden. Die Hyphen des Myzels sind es, die Wurzeln des Trüffelbäumchens umschließen und an den Saugwurzeln anhaften. Diese Pilzwurzeln (Mykorrhiza) hilft dann dem Wirtsbaum bei der Aufnahme von Wasser, Mineralien und Nährsalzen was einhergeht  mit besserem Baumwachstum. Im Gegenzug dafür bekommt das Myzel Stoffe wie Zuckerverbindungen also organische Kohlenstoffverbindungen, die der Wirtsbaum dank seiner Blätter mittels Photosynthese gewinnen kann. Diese Lebensgemeinschaft bei der jeder vom anderen profitiert wird Symbiose genannt.

Obgleich die beschriebenen Zusammenhänge klar und nachvollziehbar sind, ist im Reich der Wissenschaft der Pilze in der sogenannten Mykologie noch längst nicht alles erforscht und die Kultivierung von Pfifferlingen, Stein- und Trüffelpilzen bergen immer noch viele Geheimnisse bzw., sind derzeit noch nicht voll umfänglich möglich was sicherlich auch mit zur.  Faszination der Trüffel beträgt.

Bei den vorgenannten Pilzarten sei noch bemerkt, dass Pfifferlinge und Steinpilze zu den Ständerpilzen und Trüffel zur Gruppe der Schlauchpilze zählen.

Wie bereits erwähnt ist das Myzel der eigentliche Pilz, der sich im Boden, in Laubschichten und ggfs. In Holz weit verzweigt ausbreitet und für uns eher im Verborgenen lebt. Die meisten Trüffel sind Hypogäen, also unterirdisch lebende Pilze.

Wenn man Trüffelbäumchen setzen möchte, sollte zuvor durch Bodenprobe die Eignung für Trüffelpilze überprüft werden. Ein alkalischer ph-Wert von 7 bis 8 wäre gut, ist der Wert schlechter, kann man am besten mit Kalkabraum (enthält neben Kalkmehl auch verschieden große Kalksteinchen, die sich durch Verwitterung allmählich auflösen und den Boden nachkalken) und die Bodenqualität bezüglich Trüffeleignung verbessern.

Nicht immer ist das eigene Grundstück, welches für die Trüffelplantage vorgesehen ist optimal. Ein ideales Plätzchen für Trüffel wäre wohl eine steinige, nährstoffarme Hanglage mit alkalischen (Kalkreichem) Boden, ähnlich den Kalkhängen nahe der mittelitalienischen Stadt Chieti in den Abruzzen.

Foto: Günter Zeidler

Mitunter können nicht mehr bewirtschaftete Weinberge, weil sie zu steil oder zu kleinpazellig sind, zu profitablen Trüffelplantagen umgestaltet werden. Ähnlich wie bei der Weinherstellung, bei der man mit Zugabe von Reinzuchthefen erzwingt, dass bei der Gärung nur eine bestimmte und wohlschmeckende Hefeart die Vorherrschaft im Gärungsprozess erlangt, so sollte man auch bei Trüffelbaumanpflanzungen was dafür tun, dass andere Pilze nicht die uns wertvollen Trüffelpilzimpfungen verdrängen.

Mischwanne für Sand, Kalk und Holzasche vom Kaminofen
Foto: Günter Zeidler

Eine Maßnahme dafür ist, Holzasche gemischt mit weißem Flusssand die man ins Pflanzloch gibt. Die Holzasche ist keimfrei und hält dadurch andere Pilze zunächst vom Trüffelbäumchen fern, der Sand lockert den Boden und verhindert Staunässe, was Trüffelpilzgeflechte auch nicht mögen.
Bitte auch keine Trüffelplantage in direkter Nachbarschaft mit Nadelwäldern anlegen, da die hier vorherrschenden Nadelpilzgeflechte auch unser wertvolles Trüffelmyzel verdrängen könnten



Trüffelsetzling im Wühlmausschutzkorb wird mittig ins vorbereitete Pflanzloch gesetzt
Foto: Günter Zeidler

Wenn man jetzt noch den Wurzelballen mit einem Drahtkorb einpackt, damit die Wühlmäuse nicht die zarten Wurzel der jungen Trüffelbäumchen abfressen können, hat man schon viel getan, damit die Trüffelbäumchen gut anwachsen und sich das Trüffelmyzel gut verbreiten kann. Als Material für den Wühlmausschutzkorb eignet sich gut blanker, also unverzinkter Hasendraht. Da man heute meist nur verzinkten Draht erwerben kann, ist es auch möglich, die Drahtmatte mit einem Hammer zu bearbeiten, wodurch feine Haarrisse in der Zinkbeschichtung entstehen, die dafür sorgen, dass der Drahtkorb mit den Jahren leichter verrottet und nicht die wachsenden Baumwurzeln einschnürt. Wir sollten die Wühlmaus dennoch nicht als Schädling ansehen, denn schließlich lockert sie die Böden und gehört zu den Hauptakteuren, wenn es um die Verbreitung der Trüffel geht.


Drei Holzpfosten werden mit Brettern zu einer stabilen Zaunträgereinheit verbunden
Foto: Günter Zeidler

Damit das neu gepflanzte Bäumchen auch oberirdisch gegen Verbiss durch Rehe, Kanninchen, Schafe usw. geschützt ist, sollte es auch dort einen Verbissschutz geben.

Weil meine Obstwiese auch durch Schafe abgeweidet wird, habe ich mir angewöhnt, bei Neuanpflanzungen grundsätzlich mindestens drei Pfosten je Anpflanzung im Abstand von ca. 30-50 cm zum Stämmchen des Setzlings einzurammen, um die ich einen stabilen Verbissschutzzaun befestige, der für nächsten 10 Jahre den Setzling schützt.

Der Verbissschutzzaun wird eng darum gezogen
Foto: Günter Zeidler


Etwa so lange dauert es auch, damit sich ein Stammumfang ausbilden kann, der einer Beweidung mit Schafen Stand hält. Sollte während dieser Zeit mal ein Pfosten abfaulen, wird bei der der jährlichen Begutachtung ein neuer Pfosten daneben gesetzt und der Verbisszaun mit Krampen an ihm befestigt.




Setzling mit weichem Wasser angießen
Foto: Günter Zeidler

Achtung bei Bewässerung der Trüffelneuanpflanzungen!
Unser Leitungswasser darf gemäß Trinkwasserverordnung 0,3 Milligramm Chlor pro Liter Wasser enthalten, was mitunter erforderlich ist, um etwaige Fäkalkeine unschädlich zu halten. Da Chlor die Mykorrhiza des Trüffelsetzlings zum Absterben bringen kann, sollte bei frisch gesetzten Bäumchen einer Trüffelplantage möglichst nur mit chlorfreiem Regen- oder Quellwasser bewässert werden, was meistens nur im ersten und eventuell noch im zweiten Pflanzjahr überhaupt erforderlich ist.


Die Baumscheibe also der Bereich um den Trüffelsetzling sollte man in den ersten Jahren von Konkurrenzvegetation frei halten, d.h. am besten den Aufwuchs / das Gras mähen und aus dem Bereich der Anpflanzung entfernen. Jedes liegengebliebene Schnittgut zieht Verrottungspilze an, die unser Trüffelmyzel verdrängen könnten.

Ab einer Zeit von 4-6 Jahren nach Anpflanzung der Trüffelbäumchen kann man ggfs. mit ersten Ernteerfolgen rechnen. Die Erntezeit der Burgundertrüffel ist entweder Okt. bis in den März hinein, wenn wir von Burgunder-Wintertrüffel (Tuber Uncinatum) sprechen, oder von Juni bis in den September hinein, wenn wir von Burgunder-Sommertrüffel (Tuber Aestivum) sprechen.

Beides ist der gleiche Trüffelpilz mit unterschiedlichen Fruktifizierungszeiten.

Trüffelexponierte Eichenwaldrand in Südlage
Foto: Günter Zeidler

Eine Gewissheit für den Ernteerfolg gibt es nicht, zu sensibel reagiert der Pilz auf Einflüsse von Klima und Mikroorganismen. Selbst ein Erfolg an einer Stelle in einer Saison ist kein Garant für eine weitere Ernte dort in der nächsten Saison, das Pilzmyzel wächst stetig, die Fruchtkörper dagegen bildet er eher in unregelmäßigen Zeitdistanzen aus. Genau dieser Umstand ist es, der die Suche nach dem Edelpilz so spannend und Trüffel so rar und kostbar macht.
Trüffelpilz, der launische Geselle:
… er mag es warm aber nicht unbedingt ganztägig volle Sonneneinstrahlung!
… er mag eine gewisse Befeuchtung, aber keine Staunässe!
… er mag es durchaus luftig, aber keinen Sturm!
… es darf ruhig auch mal kalt sein, aber er will keinen Dauerfrost!
Oft finden sich deshalb Trüffelvorkommen auf Waldwegen, Waldrändern, Waldlichtungen und an einzelnstehenden Wirtsbäumen in warmen Hanglagen.


Tierische Trüffelliebhaber

Nicht nur der Mensch begehrt die edle Trüffel in seiner Küche, sie hat auch viele andere tierische Liebhaber. Mutter Natur hat das wohl so eingerichtet, damit die natürliche Verbreitung in andere Gebiete sichergestellt ist, eine Grundregel zur Erhaltung auch jeder Pflanzen- und Tierart. Vorzugsweise überreife Trüffel stehen bei Mäusen, Eichhörnchen, Marder, Dachs, Wildschwein und Co. auf der Speiseliste. Da die Pilzsporen unversehrt den Magen- Darmtrakt passieren, trägt ihre Ausscheidung zur Verbreitung der Trüffelpilzgeflechte in Nachbarregionen hinein bei. Gibt man Kort von Mäusen, die mit Trüffelpilzen gefüttert wurden, in die Pflanzerde und setzt beispielsweise kleine Haselnuss oder Eichenbäumchen in einen Setztopf, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Wurzeln Trüffelmyzel ausbilden. An einen geschützten Ort in den Garten gestellt und jährlich mit kalkreicher Erde, Sand und Holzasche umgetopft, könnte man sich so selber mit Trüffelmyzel mykorrhizierte Trüffelbäumchen ziehen. Da die Mäuse ebenfalls auf der Speisekarte anderer Tiere wie beispielsweise Fuchs und Eule stehen, ist eine Verbreitung auch über größere Distanzen möglich: Durch Beringung von Schleiereulen in den letzten Jahrzenten ist bekannt, dass die jungen flügge Schleiereulen ihren Geburtsort in alle Himmelsrichtungen verlassen um in bis zu 60 Kilometer Entfernung neue Reviere zu besetzen. Da die Schleiereule hauptsächlich von Mäusen lebt, trägt auch sie ggfs. zur Ausbreitung von Trüffelpilzgeflechten bei.